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„Was ist den bloß los mit den Dänen?“
Diese Serie möchte Ihnen Dänemark näher bringen.
 
Wer sind die Dänen, wie ticken sie – und wie lebt es sich eigentlich im dänischen Modell-Wohlfahrtsstaat ? Welchen Einfluss haben Geschichte, Mythen und Anekdoten, aktuelle Politik, Selbstverständnis und viele andere Faktoren auf die Arbeit als ErzieherIn, LehrerIn oder PädagogeIn und nicht zuletzt auf die übergeordnete Planung und Leitung im sozialen und pädagogischen Bereich?
 
Das möchten wir hier gerne genauer beschreiben und erklären.

Die Dänen sind Vereinsmeier

Durchschnittlich sind die DänInnen Mitglied in drei Freizeitvereinen oder -klubs.

Grundlegend dahinter stehen der Wunsch und der Wille, Erfahrungen, Wissen und Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen, zu helfen und zu unterstützen und so zur gemeinsamen Hygge beizutragen.

Hat man nicht gerade jemanden im persönlichen Umfeld, der einem einen Verein ans Herz legen kann, so kann man über das digitale Bürgerportal seiner Kommune einfach und bequem den Klub finden, der den eigenen Interessen – nach Kategorien geordnet – am nächsten steht: Natur und Outdoor, Unterricht und Vorträge, Kreativität und Kunst sowie Sport, Spiel und E-Sport.

Welches Steckenpferd man auch haben mag, so findet man unter öffentlicher Regie ganz barrierefrei den passenden Klub für sich selbst oder seine Kinder, was manchmal auch mit Kosten verbunden sein kann.

Ist man allerdings Alleinversorger mit finanziellen Engpässen, so bekommt man pro Kind und Jahr einen öffentlichen Zuschuss von 1000 Kronen (€ 135,-) für den so genannten „Freizeitpass“.

Folkeoplysningen – die Entwicklung des öffentlichen Bewusstseins

Der Begriff „folkeoplysning“ hat tiefgreifende historische Wurzeln in der Geschichte Dänemarks, die eng mit den Ideen N.F.S. Grundtvigs und der Verfassung von 1849 in Zusammenhang stehen.

 Folkeoplysning bezeichnet die vielen unterschiedlichen Aktivtäten, deren gemeinsames Ziel es ist, die breite Bevölkerung zu „erleuchten“ (die wortwörtliche Übersetzung von „oplyse“, die den Grundgedanken der Epoche der Vernunft – der Aufklärung – in Deutschland einigermaßen entspricht).

Was genau das heute in Dänemark beinhaltet, ist sogar in einem eigenen Gesetz festgelegt – und ein eigenes Forschungszentrum für Folkeoplysning gibt es selbstverständlich auch.

„Ehrenamtlich“ versus „frivilligt arbejde“

Man muss nicht sattelfest im Dänischen sein, um zu verstehen, dass „frivillig“ ins Deutsche übersetzt „freiwillig“ bedeutet und mit „Ehre“ und „Amt“ wenig zu tun hat.

40% der DänInnen über 16 Jahre tragen unentgeltlich und freiwillig bei in einem Sportverein, einem Sozial- oder Kulturprojekt oder in anderen Bereichen des vielfältigen dänischen Vereinslebens.

Im Sozialbereich gibt es sogar einen Freiwilligenrat, der dem/der SozialministerIn und dem Folketing (dem Parlament) Rat gebend zur Seite steht. Der Rat macht die PolitikerInnen auf unangemessene Gesetzgebung aufmerksam und bringt Vorschläge zur Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Freiwilligenarbeit ein.

„Im Freiwilligenrat müssen wir dazu beitragen, Freiwilligkeit und Freiwilligentätigkeit auf die Tagesordnung zu setzen. Wir müssen zielstrebig daran arbeiten, einen guten Finanzrahmen für freiwillige soziale Organisationen und für eine Zivilgesellschaft zu schaffen, in der sich mehr BürgerInnen engagieren wollen, um besonders gefährdeten oder verletzbaren Menschen zu helfen.“  Anna Bjerre, Vorstand des Freiwilligenrats.

Lebendige Zivilgesellschaft und Gemeinschaftssinn

In den vergangenen zwei Jahren sah man in Dänemark einen Anstieg der Freiwilligenarbeit im Sozialbereich. Bedingt durch die Corona-Pandemie stieg nämlich auch die Zahl derer, die Hilfe benötigten. Großveranstaltungen bekannter Hilfsorganisationen konnten während des Lockdowns zwar nicht durchgeführt werden. Die informelle Hilfe stieg aber markant an, wo lokale Netzwerke dazu betrugen, denjenigen beizustehen, die von der Krise besonders betroffen waren.

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