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„Was ist den bloß los mit den Dänen?“
Diese Serie möchte Ihnen Dänemark näher bringen.
 
Wer sind die Dänen, wie ticken sie – und wie lebt es sich eigentlich im dänischen Modell-Wohlfahrtsstaat ? Welchen Einfluss haben Geschichte, Mythen und Anekdoten, aktuelle Politik, Selbstverständnis und viele andere Faktoren auf die Arbeit als ErzieherIn, LehrerIn oder PädagogeIn und nicht zuletzt auf die übergeordnete Planung und Leitung im sozialen und pädagogischen Bereich?
 
Das möchten wir hier gerne genauer beschreiben und erklären.

Hygg hygg hurra

Eines der am meisten strapazierten und gleichzeitig bekanntesten Wörter der dänischen Sprache ist „hygge“.

Eigentlich kommt das Wort aber aus dem Norwegischen und bedeutet so etwas ähnliches wie „Wohlbefinden“.

Die Dänen importierten das Wort und die Lebensphilosophie Ende des 19. Jahrhunderts, als ein aufstrebendes Bürgertum damit begann, seine Wohnungen und Häuser mit allerlei Nippes und Kerzen winterfest gemütlich einzurichten. Verbesserte ökonomische Verhältnisse und kürzere Arbeitszeiten trugen ihren Teil dazu bei.

Ein dänischer Gemütszustand

Das Lebensgefühl und der Stimmungszustand sind schwer zu übersetzen oder zu beschreiben. Die Dänen wissen aber intuitiv ganz genau, was sie meinen, wenn sie etwas als „hyggelig“ bezeichnen.

Ob man sich alleine an einem dunklen Winterabend im Hygge-Sofa in seinen Hygge-Socken mit einer Tasse Hygge-Tee und einem Hygge-Buch zusammenkuschelt. Oder sich mit Freunden, Verwandten, Nachbarn oder KollegInnen trifft, um gemeinsam zu essen und zu trinken, Weihnachten, einen Geburtstag oder das Sankt Hans-Fest zu feiern (also sich zu „hyggen“) – alles das ist Teil dieses Phänomens.

Die Dänen gehen sogar so weit,  Aktivitäten zu einem Hygge-Projekt zu machen, die man anderswo als lästig oder anstrengend empfinden würde: gemeinsames Aufräumen im Wohnviertel, Putztage in der Kita oder einen Marathon zu laufen. Alles um der Hygge willen.

Der Hygge-Hype

Das einzigartige, schwer übersetzbare Wort wurde 2016 von „The Oxford Dictionaries“ zum Wort des Jahres gekürt und das Lebensgefühl wurde zum Exportschlager, als der dänische Glücksforscher Meik Wiking sein Buch „The litle book of hygge. The Danish way to live well” veröffentlichte und dieses eine Flut von anderen, ähnlichen Publikationen mit sich brachte.

Ja, Sie lesen richtig: es gibt tatsächlich Glücksforscher in Dänemark und ein Institut für Glücksforschung, dem zudem ein Hygge-Rat untergeordnet ist. Dieser Rat hat es sich zur Aufgabe gemacht, dafür zu sorgen, dass Hygge in die UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen werden soll.

Die Chancen stehen nicht schlecht, denn es handelt sich um einen geistigen Wert, der nur am Rande mit der richtigen Einrichtung oder dem Verbrauch an Kerzen zu tun hat. Obwohl Dänemark mit einem jährlichen Haushaltsverbrauch von 6 kg im absoluten Spitzenfeld liegt!

Ist Hygge ist gekommen, um zu bleiben?

Hygge ist mit Sicherheit eine der Vorausbedingungen dafür, dass Dänemark Jahr für Jahr einen der obersten Plätze in internationalen Vergleichen belegt, in denen sie sich selbst  zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen. Das möchte man bewahren und erhalten.

Ganz klare Voraussetzungen sind Stabilität in allen gesellschaftlichen Bereichen, aber auch eine gewisse philosophische Grundkenntnis.

In den Grundschulen des Landes gibt es, meistens freitags, eine Hygge-Stunde in der Klasse. Und Thementage und -wochen, an denen SchülerInnen – unterstützt durch umfangreiches, fachlich fundiertes Unterrichtsmaterial – dazu angeregt werden über Hygge zu reflektieren, sie zu definieren, aber auch kritisch zu hinterfragen.

Und das ist ein wichtiger Beitrag zu einem Lebensgefühl, das man in Dänemark unter keinen Umständen missen möchte. 

Die Alternative wäre nämlich ziemlich un-hyggelig.

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